
Das unbewachte Schnitzel
Von Mattes, Haushund und Chefermittler.
Liebe Leserinnen, liebe Leser, liebe Würstchen,
hiermit erkläre ich die Akte „Schnitzel auf dem Tisch“ für geschlossen. Nicht, weil jemand gestanden hätte. Sondern weil es nichts zu gestehen gibt.
Die Fakten:
Das Schnitzel lag auf dem Tisch. Nicht im Kühlschrank. Nicht auf einen hohen Schrank. Nicht in einen Tresor. Auf dem Tisch. Ohne Aufsicht. Merle hat geschlafen, was sie in solchen Momenten strategisch tut, damit hinterher niemand sie verdächtigt.
Ein Schnitzel, das allein auf einem Tisch liegt, ist rechtlich gesehen herrenlos. Das steht so im Hundegrundgesetz. Finders Keepers. Wer es liegen lässt, hat es verschenkt. Ich habe es nur entgegengenommen. Höflich. Schnell.
Die Anklage lautet auf Diebstahl. Absurd. Diebstahl setzt Vorsatz und Heimlichkeit voraus. Ich habe nicht heimlich gehandelt. Ich habe laut gekaut. Das ist Transparenz.
Merle wurde als Zeugin vernommen. Sie hat den Kopf schief gelegt und dann an der Stelle geschnüffelt, wo das Schnitzel gewesen war. Das werte ich als Entlastung. Eine Mitschuldige würde die Spur verwischen. Sie hat sie gewürdigt. Professionell.
Das Schnitzel war ein Rest. Ein sehr großer, sehr panierter Rest.
Reiner sagt, er habe es „nur eine Minute“ allein gelassen. Eine Minute ist in Hundejahren ein halber Nachmittag. In dieser Zeit kann ein verantwortungsbewusster Hund eine Gefahrenquelle beseitigen. Panade auf dem Tisch ist eine Gefahrenquelle. Jemand hätte ausrutschen können.
Ergebnis der Ermittlungen:
Kein Diebstahl. Eine Sicherstellung. Das Schnitzel befindet sich jetzt an einem sicheren Ort. Weitere Angaben zum Verbleib mache ich nicht. Merle bekommt nichts, weil sie geschlafen hat. Wer schläft, verpasst die Rechtslage.
Die Ermittlungen sind eingestellt. Ich gehe jetzt auf die Wiese und tue so, als wäre nichts gewesen. Falls noch ein zweites Schnitzel unbewacht herumliegt: Ich bin im Dienst.
Gezeichnet, Mattes (satt und bereit für Berufung)